und warum ich anfange, darüber zu schreiben
Was würdest du machen, wenn du in deinem Leben die Möglichkeit hättest, den Reset-Knopf zu drücken? Wenn du nach diesem Moment dein Leben neu denken, neu priorisieren, neu leben könntest – würdest du etwas anders machen? Und wenn ja, was wäre es?
Ich habe diesen Knopf gedrückt. Nicht im übertragenen Sinne, sondern weil mir das Leben selbst eine zweite Chance gegeben hat. Und der Beginn dieses Blogs begann aus genau aus diesem Grund.
Der 9. April 2026
Es gibt Momente, nach denen nichts mehr so ist wie vorher.
Für mich war es der 9. April 2026. Drei Wochen, nachdem ich dreißig Jahre alt geworden war. Ich war gerade in Fiji, als Abschluss meiner Australienreise, nur wenige Tage bevor es wieder zurück nach Deutschland gehen sollte. Ein letzter Urlaub, ein letztes Entspannen bevor der Alltag wieder einsetzt.
An diesem Tag bin ich mit zwei Freunden zu einen abgelegenen Strand der Hauptinsel gefahren. Wir wollten weg vom Touristenstrom, einfach ins Meer. Das Wasser war türkisblau, die Sonne hoch, kein Mensch weit und breit.
Und dann passierte das, was mein Leben für immer verändern sollte. Kurz nachdem wir im Wasser waren, hat uns eine Strömung erfasst – eine sogenannte Rip-Current. Innerhalb von Sekunden wurden wir aufs offene Meer hinausgetrieben. Kein Boden mehr unter den Füßen, keine Möglichkeit, zurückzuschwimmen, da die Strömung zu stark war um gegen sie anzukämpfen, niemand da, der uns hätte sehen können. Es erschien alles aussichtslos. Wir alle drei hätten an diesem Tag fast unser Leben verloren. Doch wir hatten einen Schutzengel. Kurz bevor ich aufgegeben habe, hatte uns Einheimischer gesehen – wir wurden gerettet.
Nachdem wir alle wieder in Sicherheit waren, saß ich am Strand und wusste: Das war kein Zufall, dass ich dieses Erlebnis überlebt habe. Das war ein Weckruf. Ein Weckruf, zu Leben und dass das Leben nicht unendlich ist. Es hat ein Ablaufdatum und niemand weiß, wann es soweit sein wird. Wir leben von Tag zu Tag ohne zu wissen, ob es unser letzter ist. Wir denken, wir hätten noch genug Zeit, unsere Träume zu verwirklichen. Aber haben wir die wirklich? Dieses Erlebnis hat mit eine neue Perspektive auf das Leben gegeben. Achtung Floskel: Lebe deinen Tag als wäre er dein letzter, denn du weißt nie, wann es vorbei sein kann. Und mach das beste draus – aber es ist wahr. Wir denken immer, schlimme Dinge passieren anderen; aber mir doch nicht. Genauso habe ich auch gedacht, bis mir am lebendigen Laibe genau das Gegenteil gezeigt wurde. Es kann jeden Menschen auf dieser Welt passieren und wir wollten doch nicht erst dann, wenn es (fast) schon zu spät erst damit anfangen uns zu fragen, was wir mit dem einen Leben das wir haben, anfangen sollen. Viele Menschen haben das Glück, sher alt zu werden – doch auch sie realisieren erst dann, was sie bereuen und gerne anders gemacht haben. Wir sollten nicht erst dann anfangen, über unser Leben anchzudenken, wenn es zu spät ist sondern genau JETZT!
Das Meer hat mir fast alles genommen – und mir gleichzeitig etwas wertvolles gegeben
Ich bin dreißig Jahre alt und habe das Meer so lange geliebt, wie ich denken kann. Tiere, Natur, Wasser – das schon immer ein Teil von mir. Aber nach diesem Tag habe ich das erste Mal wirklich begriffen, welche Macht das Wasser hat. Auf den ersten Blick wirkt es still, beruhigend, sich an die Begebenheiten anpassend, eine Kulisse für schöne Urlaubsfotos. Aber es ist so viel mehr. Es ist mächtig, unberechenbar und gleichzeitig das Fundament allen Lebens auf diesem Planeten.
Am Tag nach meiner Nahtoderfahrung bin ich mit der Fähre weiter nach Barefoot Kuata gefahren, einer kleinen Insel mitten in den Yasawas. Diesen Trip hatte ich schon viele Wochen vorher geplant gehabt und wurde sehr emotional, als ich auf der Fähre war. Denn mir wurde klar, dass um eine Haaresbreite der Sitz auf dem ich gerade sitze, leer gewesen hätte sein können und wie glücklich und dankbar ich einfach nur bon, dass ich genau jetzt in diesem Moment auf diesem Sitz sitze. Es war ein komisches Gefühl durch diese Gewässer zu fahren. Ich malte mir aus, was ich dieses Mal anders machen würde, falls unser Boot kentern würde und ich wieder auf mich alleine gestellt bin, um im Falle mental vorbereitet zu sein und mich selbst aus dem Wasser zu retten. Und ich habe mich gefragt, ob mein Körper überhaupt noch ins Wasser will bzw. kann. Ob irgendetwas in mir jetzt Angst hat, wo vorher keine war.
Angekommen auf Barefoot Kuata habe ich es kurz darauf gewagt. Ich bin ins Meer gegangen. Jetzt oder gar nicht. dachte ich mir, dein Körper wird es dir schon sagen, ob es sich richtig oder falsch anfühlt. Ich hatte so Angst, dass dieses Erlebnis mir meine Freude am Wasser für immer genommen hat. Aber: es hat sich richtig angefühlt. Kein Zögern, keine Panik. Nur das vertraute Gefühl von Wasser um mich herum und die Gewissheit: Das hier ist mein Element. Als ich wieder zurück ans Ufer kam und mir klar wurde, dass ich meine Angst besiegt hatte. Das was mir fast mein Leben genommen hat, bereitet mir keine Angst. Was soll jetzt noch kommen? Wovor soll ich jetzt noch Angst haben? Kurz danach habe ich mich zum Bullenhaistauchen angemeldet. Zwölf Meter Tiefe, mehrere Bullenhaie direkt vor mir. Und ich hatte keine Angst. Ich fühlte mich ab diesem Moment umbesigbar. Ich hatte über den Tod und mein Trauma gesiegt. Wenn ich das schaffe, dann schaffe ich alles. Vielleicht klingt das paradox. Für mich ergibt es mehr Sinn als alles andere.
You only live once – aber das heißt nicht, was wir oft denken
Dieser Satz wird meistens benutzt, um Dinge zu rechtfertigen, die man eigentlich nicht tun sollte. Für mich hat er auf Fidschi eine andere Bedeutung bekommen.
Du hast ein Leben. Eines. Und wenn du das weißt, wirklich weißt, nicht als Konzept, sondern weil du es gespürt hast, dann verändert sich, worauf du deine Energie verwendest.
Ich habe studiert, jahrelang. Kommunikation, Medien, Sprache. Und ich habe lange nicht gewusst, was ich damit anfangen soll. Auf Fidschi, in Gesprächen mit Einheimischen, mit Meeresbiologen, mit Menschen, die jeden Tag für den Schutz des Ozeans arbeiten, ist mir klargeworden, wofür ich es einsetzen möchte.
Ich möchte über das Meer schreiben. Über die Tiere, die darin leben. Über die Menschen, die es schützen. Über die Orte, die zeigen, dass Tourismus und Naturschutz sich nicht widersprechen müssen. Und ich möchte ehrlich sein: über das, was schiefläuft, über das, was funktioniert, und über das, was mich persönlich bewegt.
Was dich auf diesem Blog erwartet
„Bubbly Waters“ ist kein rein wissenschaftlicher Blog und auch kein klassisches Reisetagebuch. Es ist beides, und noch etwas mehr.
Der Name ist eine Doppeldeutung: Wasserblasen auf der einen Seite, die an den Ozean erinnern. Und „bubbly“ im englischen Sinne, also gesprächig, lebendig, kommunikativ, auf der anderen. Genau das soll dieser Blog sein. Ein Ort, an dem Fakten auf Gefühle treffen. An dem Wissenschaft auf Geschichten trifft. An dem du etwas lernst, ohne das Gefühl zu haben, einen Lexikoneintrag zu lesen.
Thematisch geht es um alles, was mit dem Meer zusammenhängt: Korallenriffe und warum ihr Verschwinden uns alle betrifft. Haie, Wale, Delfine und Meeresschildkröten. Nachhaltiger Tourismus und die Frage, wann Reisen hilft und wann es schadet. Marine Conservation, aktuelle Forschung und Projekte, die Hoffnung machen. Persönliche Erfahrungen aus Orten, die mich geprägt haben. Und immer wieder die Frage: Was können wir als Einzelne tun?
Ich werde nicht so tun, als hätte ich alle Antworten. Aber ich werde versuchen, die richtigen Fragen zu stellen.
Warum der Ozean mehr Aufmerksamkeit verdient
Der Ozean bedeckt über 70 % unseres Planeten. Er produziert jeden zweiten Atemzug, den wir nehmen. Er reguliert das Klima, ernährt Milliarden von Menschen und beherbergt eine Artenvielfalt, die wir noch längst nicht vollständig verstehen.
Und trotzdem ist er das am wenigsten geschützte Ökosystem der Erde.
Wir reden über Regenwälder, über Artensterben auf dem Land, über CO₂ in der Atmosphäre. Aber der Ozean, der still und unsichtbar unter der Oberfläche alles zusammenhält, bekommt einen Bruchteil der Aufmerksamkeit, die er verdient.
Das möchte ich ändern. In meinem kleinen Rahmen, mit meinen Worten, auf diesem Blog.
Nicht weil ich die Welt retten kann. Sondern weil ich nach dem 9. April verstanden habe, dass eine zweite Chance verpflichtet. Und weil das Meer mir trotz allem das Wichtigste gegeben hat, das es gibt: die Gewissheit, dass ich auf der richtigen Seite stehe.
Willkommen bei Bubbly Waters.


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